Tierschutzverein Neustadt und Umgebung e.V.
Der Tierschutzverein wurde 1952 von ca. 20 Tierfreunden unter dem Vorsitz des damaligen Neustadter Bürgermeisters Willy Thyssen gegründet. Man nannte sich „Tierschutzverein Neustadt an der Weinstraße und Umgebung“, weil die Tätigkeit sich nicht nur auf das damalige Stadtgebiet erstrecken sollte, sondern auch auf die umliegenden Gemeinden. Bis 1970 umfasste das Betreuungsgebiet außer der Stadt Neustadt die Verbandsgemeinden Lambrecht und Deidesheim. Zusätzlich kamen danach die Verbandsgemeinden Wachenheim und Freinsheim, die Städte Bad Dürkheim und Grünstadt und das Großdorf Haßloch hinzu. Nach Bau eines eigenen Haßlocher Tierheim im Jahre 2005 zählt unser heutiges Einzugsgebiet ca. 160.000 Einwohner.


Was damals mit einigen Holzkisten und mehreren Pflegestellen begann, hat sich bis heute zu einem mittleren Unternehmen entwickelt. Bereits drei Jahre nach Gründung des Vereins beschlossen die Vorstandsmitglieder im Jahre 1955 den Bau eines Tierasyls und eines daran angrenzenden kleinen Wohnhauses für den Tierpfleger. Ein Bauplatz war schnell gefunden, außerhalb von Neustadt, in den damaligen Neubachwiesen.

Seitdem wurden die Tierunterkünfte immer wieder verbessert und erweitert.

Die 6 Sommerzwinger für die Hunde befanden sich auf der Stelle des jetzigen Hunde- und Katzenhauses, die 14 beheizbaren Winterzwinger direkt im Haupthaus. Im heutigen „alten“ Katzenhaus konnten bis zu 25 Katzen aufgenommen werden. Ein Raum diente als Quarantänebereich.

Ca. 600 Mitglieder unterstützten 1972 mit ihren Spenden unser derzeitiges „alte“ Hundehaus mit 10 Außen- und Innenzwingern, die beheizt werden konnten. Nach einer gründlichen Sanierung im Jahre 2002, bei der die Heizung, der Bodenbelag und das Dach erneuert wurden, dient es unseren Hunden auch heute noch als gemütliche nächtliche Unterkunft.

Damit die Hunde sich tagsüber austoben konnten, wurden einige großzügige Freiläufe geschaffen mit Sonnenschutzhütten und schatten-spendenden Bäume. Weitere Freiläufe kamen 1999 auf dem nördlichsten Gelände, das bisher nur aus Wildnis bestand hinzu, sodass die Hunde sich derzeit auf den täglichen Auslauf in den 10 Freiläufen freuen können.

Im Jahr 1983 beschloss der Vorstand unter dem langjährigen ersten Vorsitzenden Kurt Kiefer für die Tierpflegerfamilie ein größeres Wohnhaus auf dem südwestlichen Teil des Geländes neben dem Tierheim zu errichten. Die ehemalige Tierpflegerunterkunft wurde nach Renovierung als Tierpflegerbüro hergerichtet und dient heute als Vorstandsbüro und Werkzeugräume.

1986 unterstützten den Verein ca. 700 Mitglieder. Jährlich wurden ca. 200 Hunde, 250 Katzen und 200 Kleintiere aufgenommen und von der Tierpflegerfamilie Maus liebevoll aufgepäppelt und versorgt. Die medizinische Betreuung übernahmen 2 Tierärzte aus Neustadt, die ein- bis zweimal die Woche auf das Tierheimgelände kamen um die notwendigen Impfungen und medizinischen Untersuchungen vorzunehmen.

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Weitere 10 Jahre später entstand unter finanzieller Beteiligung der zu unserem Betreuungsgebiet gehörenden Städten und Gemeinden die heutige Arztpraxis und 4 angrenzende Quarantäneräume und danach das „neue“ Hunde- und Katzenhaus mit 12 Innen- und Außenzwingern für die Hunde und 6 Katzenstuben, ebenfalls mit Innen- und Außenbereich.

Insgesamt stehen ab Fertigstellung dem Tierheim 22 Plätze zur Unterbringung von Hunden zur Verfügung. In den neuen Katzenhäusern konnten jetzt ca. 50 Katzen beherbergt und versorgt werden, im Quarantänebereich stehen derzeit 24 Einzelboxen und 8 große Boxen für Katzenmütter mit ihren Kleinen zur Verfügung. Das alte Katzenhaus wird weiterhin als Sommerresidenz für einige Langzeitinsassen und im Winter für die Unterbringung der Igel verwendet.

Im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung schloss der damalige erste Vorsitzende Albert Keil einen langfristigen Fundtierverwahrvertrag mit den entsprechenden Städten und Gemeinden. Dieser bietet dem Tierschutzverein finanzielle Sicherheit und den Kommunen eine auf längere Sicht und in der Handhabung einfache Möglichkeit zur Unterbringung ihrer Fund- und beschlagnahmten Tiere.

Mit der Einrichtung der eigenen Arztpraxis wurde eine Tierärztin eingestellt, die halbtags die Tiere medizinisch versorgte und gleichzeitig die Kastrationen und kleinere Operationen durchführte.

Nachdem die Anzahl der aufzunehmenden Katzen und Kleintiere sich in den letzten Jahren immer mehr ausweitete, wurde als bisher letzte Baumaßnahme 2004 ein Kleintierhaus mit 3 Räumen und 2 Quarantänezimmer angebaut.

In den letzten 10 Jahren wurden jährlich durchschnittlich ca. 1.400 Tiere, davon 350 Hunde, 650 Katzen und 400 Kleintiere aufgenommen.

Aber nicht nur Hund, Katze, Maus fanden in den letzten 15 Jahren den Weg in unser Tierheim, sondern auch exotische Tiere.

1992 wurden bei einem Tiersammler neben unzähligen Katzen, Vögeln, Kleintieren und Schlangen auch 3 Dingos (australische Wildhunde) beschlagnahmt. Diese lebten in einem Verschlag im Hof und freuten sich 3 Jahre lang über den großzügigen Freilauf im Tierheim, bevor sie an die Eberhard-Trummler-Station weitergeben wurden. Mutter und Tochter leben noch heute dort.

Der sibirische Tiger „Royal“ kam 1999 alt und krank aus einem aufgelösten Zirkusunternehmen bei uns an. Provisorisch konnte er in einem schnell umgebauten Katzenhaus einquartiert werden. Leider musste er einige Monate später nach einer größeren Zahnoperation aufgrund Nierenversagens eingeschläfert werden.

Das Kamel „Katja“, die Ginsterkatze „Ramses“, 2 Rotgesichtsmakaken, der Wolfshybride „Timber“, ein Nandu und zwei Tukane legten bei uns meist nur einen kurzen Zwischenstopp ein und konnten in verschiedenen Zoos (u.a. Stuttgarter Wilhelma) und Tierparks untergebracht werden.

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Aus einer weiteren Beschlagnahmung mussten kurzfristig 70 Waldvögel mehr tot als lebendig aus einem Keller befreit und bei uns in allen verfügbaren Räumen und Käfigen beherbergt werden. Glücklicherweise konnten wir auf die bewährte Hilfe der Greifvogelstation in Haßloch zurückgreifen.

Mehrere Waschbären wurden bei uns aufgepäppelt bevor sie an verschiedene Parks weitergegeben werden konnten.

Für den 6 jährigen 2 Meter langen grünen Leguan „Pim“ bauten wir einen Duschraum in ein großzügiges Terrarium mit Urwaldatmosphäre um. Für mehrere Monate bis zu seiner Vermittlung genoss er seine feuchte Umgebung und die ihn bestaunenden Besucher.

Trotz dieser Vielzahl von exotischen Tieren sollen die unzähligen Echsen, Geckos, Schildkröten, Schlangen und Spinnen, die im Laufe der vergangenen Jahre vermehrt bei uns abgegeben werden, nicht unerwähnt bleiben.

Aber nicht nur diese Tiere fordern das Improvisationsvermögen unserer Tierpfleger heraus.

Wenn eine Schafherde von 30 größtenteils weiblichen Tieren sich innerhalb von einigen Wochen auf über 45 Tiere erhöht, müssen Stallungen und Auslauffläche kurzfristig schnell vergrößert werden und vor einer verfressenen Ziegenherde von 30 Tieren muss der Baum- und Buschbestand schnellstens geschützt werden, bevor nur noch kahle Stämme übrig bleiben.

Fünf TierpflegerInnen, drei Auszubildende und eine Tierärztin kümmern sich liebevoll um ihre Schützlinge. Alle Neuankömmlinge werden auf evtl. Krankheiten untersucht, geimpft und entwurmt. und falls noch nicht erfolgt kastriert, bevor sie in ein neues Zuhause vermittelt werden. In der vollständig eingerichteten Arztpraxis können neben den Kastrationen auch diverse Operationen, Zahnbehandlungen und Röntgenaufnahmen durchgeführt werden.

Wertvolle Hilfe erhalten wir von der Greifvogelstation in Haßloch wenn es um die Aufnahme von verletzten oder geschwächte Greifvögeln wie Bussarden, Habichten, Falken und Eulen geht. Ein Anruf in Haßloch und schon steht Herr Bub vor der Tür um den Vogel abzuholen. Aber auch der Fledermausexperte Herr Wissing ist immer gleich zur Stelle, wenn es darum geht eine verletzte Fledermaus aufzunehmen. Wenn es um die Aufzucht von jungen Vögeln, Katzen oder auch Igeln geht, können wir auf mehrere zuverlässige Helfer zurückgreifen.

Das Ausbildungszentrum für Hunde von Klemens Müller ist uns bei unserer Arbeit mit schwierigen Hunden behilflich und gewährt auch frisch gebackenen Herrchen und Frauchen von Tierheimhunden einen Rabatt bei Belegung eines Kurses.

Zur Zeit unterstützen unseren Verein ca. 850 Mitglieder und weitere 300 Förderer mit Geld und Futterspenden. Da alle Verwaltungsarbeiten durch ehrenamtliche Vorstandsmitglieder erledigt werden, kommen die Spenden ausschließlich den Tieren zu Gute.

Wir hoffen, dass unsere Arbeit und Informationen zum Wohle der Tiere künftig weiterhin Früchte trägt und dass immer mehr Menschen ihre Tiere nicht wie Sachen bzw. „Wegwerfartikel“ behandeln und sich ihrer Verantwortung für ihre Haustiere bewusst werden und beispielsweise ihre Tiere kastrieren lassen um den ungewollten Nachwuchs, der jedes Jahr unser Tierheim überrollt, zu vermeiden.


Werner Bösel

1. Vorsitzender

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